Geschrieben am 20.04.2010 von Alex
Spinnfischen auf Hecht in stehenden Gewässern
Wann, Wo und mit welchem Köder?


Ich hab in diesem Jahr oft erlebt das es sehr viele Hechtangler gibt die zwar gutes Gerät haben und auch das Sortiment an Kunstködern sieht nicht schlecht aus, aber sobald es dann um Grundkenntnisse und Wissen geht was man zum Glück nicht kaufen kann, hört es dann auf. Auch hier im Forum gab es oftmals Fragen oder Aussagen die zeigen dass bei vielen noch einige Fragen offen sind zum Thema wann man wo mit welchem Köder am besten Meister Esox überlistet. Klar kann man zu jeder Zeit mit fast jedem Köder einen hungrigen Hecht fangen, aber ich denke es sollte nicht Ziel sein sich drauf zu verlassen einem hungrigen Hecht durch Zufall den Köder vor der Nase lang zu ziehen!?
Ich habe meine Erfahrungen was das Spinnfischen auf Hecht angeht mal in die vier Jahreszeiten unterteilt. Wo finden wir den Hecht am ehesten, welche Köder sind am erfolgreichsten und zu welcher Uhrzeit dürfen wir am ehesten mit Bissen rechnen.
Natürlich hat jedes Gewässer seine eigenen Regeln, aber ich denke mit den folgenden Grundkenntnissen fährt man schon ganz gut. Also mal die vier Jahreszeiten im Überblick.

Frühjahr

Im Mai und Juni sollte uns die Wahl der Angelplätze wohl am leichtesten fallen, kann man doch mit dem bloßen Auge ziemlich gut erahnen wo sich Hechte aufhalten. Hier sind die Stellen die uns als „beste“ Hechtstellen bekannt sind am erfolgreichsten; Schilfkanten, Seerosenfelder, Krautbänke, überhängende Bäume, im Wasser liegende Bäume usw.! Jedes Fachmagazin würde nun schreiben dass das daran liegt weil der Hecht immer einen Unterstand brauch, aber die eigentlichen Hauptgründe sind eher das zum einen die Weißfische die flachen Bereiche eines Gewässers aufsuchen, da dort bereits für Friedfische oftmals schon die ideale Wassertemperatur herrscht und als zweiter Grund das die Hechte an genau diesen Stellen ablaichen und dort besonders im Mai und meistens bis in den Juni hinein dort stehen um sich nach der Laichzeit wieder Kraft anzufressen.

Auch bei der Köderwahl sollte man sich Gedanken über das Gewässer und den Fischbestand machen. Wie erwähnt befinden sich jetzt viele Weißfische in den Raubgebieten der Hechte und sind somit bevorzugte Beute von Esox. Allerdings sollten die Köder nicht zu groß gewählt werden, da die Hechte meist noch längst nicht wieder ihre Spritzigkeit haben die sie besonders im Herbst dann auszeichnet. Gut liegt man mit Ködern die im Bereich von ungefähr 10cm liegen, also mittlere Gummifische, Wobbler oder Blinker. Was aber oftmals viel wichtiger ist: Man sollte dafür sorgen das sich der eigene Köder sehr stark von der natürlichen Nahrung abhebt, denn oftmals haben die Hechte zum Saisonbeginn ein Überangebot an Nahrung und es besteht die Gefahr das unser Köder einfach übersehen wird. Den Reiz des besonderen erfüllt am einfachsten der Spinner, der meiner Meinung nach zu der Zeit die meisten Bisse bringt, allerdings hat er den großen Nachteil das sich oftmals mehr untermäßige Hechte auf den Köder stürzen als einem recht sein kann. Daher wäre mein Punktsieger für den Saisonbeginn ganz knapp der Gummifisch. Top sind Modelle um 10-13cm in weiß oder grau/rauchglitter. Entweder führt man ihn traditionell mit Sprüngen am Grund oder aber, was ich eher bevorzuge, ähnlich wie einen Blinker, also langsames Einholen mit einigen Absinkphasen und immer wieder überraschendes Ausbrechen. Besser kann man einen verletzten Kleinfisch wahrscheinlich nicht imitieren und mit der richtigen Taktik lässt sich der GuFi so auch sehr verführerisch über Kraut oder andere Hindernisse führen. Wobbler haben bei mir zu der Zeit nur einen bestimmten Grund; und zwar das anwerfen von raubenden Hechten da ich den Angelplatz mit dem Wobbler am besten gezielt befischen kann und nicht Gefahr laufe unter dem Hecht zu fischen. Ab Ende Mai/Anfang Juni sind Wobbler allerdings immer einen Versuch wert, wobei ich in meinen Gewässern eine absolute Lieblingsfarbe habe, und zwar eine Hechtimitation. In Gewässern wo der Hecht selbstständig ablaicht gehören Junghechte mit zu der beliebtesten Beute von Esox.

Was die Angelzeit betrifft gilt eigentlich zu sagen dass man fast immer Hecht fangen kann, allerdings bevorzuge ich die frühen Morgenstunden. Das hat zwei Gründe; zum einen hat man am Wasser meistens Ruhe, denn nichts ist nerviger als wenn an einer heißen Stelle schon ein Angler steht und der zweite Grund ist das um 5 oder 6 Uhr morgens die Lichtverhältnisse meistens noch etwas schlechter sind, was es für den Hecht schwieriger macht unseren Köder als solchen von seiner natürlichen Nahrung zu unterscheiden.

Sommer

Von Juli bis September wird es dann doch schon deutlich schwieriger zu erkennen wo die Hechte stehen. Natürlich gilt als Grundwissen, den Fisch dort zu suchen wo er am meisten Sauerstoff findet bzw. wo das Wasser etwas kühler ist. Allgemein hab ich festgestellt dass zur Sommerzeit größere und tiefere Gewässer besser sind für den Hechtfang als kleinere Seen, auch wenn es im großen Gewässer immer schwieriger ist den Hecht dann zu finden. Wie gesagt sind tiefe Bereiche immer einen Versuch wert, allerdings steht man dort oftmals vor dem Problem wo genau auf der großen Wasserfläche! Also entweder fischt man auf Gut Glück etwas tiefer oder man lernt sein Gewässer kennen. Wo sind tiefere Kanten, Barschberge, Löcher, Rinnen usw.?

Oft lassen sich die Hechte aber auch im Uferbereich fangen, nur dort ergibt sich dann das Problem das diese Bereiche oftmals sehr verkrautet sind und man bei der Köderwahl sich etwas überlegen muss. Entweder fischt man mit sehr flach laufenden Wobblern oder Jerkbaits oder man benutzt Krautblinker. Beides kann sehr guten Erfolg bringen, aber die für mich beiden besten Köder für flache und krautreiche Gebiete sind zum einen Gummifische die ohne Bleikopf gefischt werden oder unbeschwerte Spinner. Beide Köder haben den großen Vorteil dass sie kaum gefischt werden, denn beide setzen etwas Bastelei voraus was viele Angler abschreckt.

Die besten Erfahrungen habe ich im Sommer allerdings auf zwei Arten gemacht die ich niemals in irgendeiner Fachzeitschrift gelesen habe.
Das erste ist das ich die Hechte im Freiwasser suche. Eigentlich sollte man denken dass gerade dort durch die Sonne das Wasser viel zu warm sein sollte, aber schaut man sich mal an wie viele Weißfische sich dort tummeln macht es schon Sinn und genau bei dieser Angelei liegt oft das Problem das viele denken Hechte brauchen Unterstände. Ein Hecht hat außer dem Angler eigentlich keinen natürlichen Feind, also kann er sich auch ins Freiwasser stellen und die über ihm ziehenden Weißfische angreifen. Allerdings hab ich auch schon einige Male Hechte gesehen die im Freiwasser standen und sich zu sonnen schienen, ähnlich wie man es von Karpfen oder Grasfischen kennt.

Meine zweite und deutlich bevorzugte Methode im Sommer ist es ganz früh oder alternativ sehr spät am Wasser zu sein. Wenn man sich nun mal anschaut was aktuell an Futterfisch überwiegt müsste man zu der Überzeugung kommen das kleinere Kunstköder am ehesten Erfolg bringen. Das stimmt aber nur zum Teil. Ein Gewässer was ich nicht kenne würde ich auch mit einem kleinen Blinker im Uferbereich und an den Scharkanten abfischen, aber wenn ich in etwa weiß an welchen Stellen Hechte stehen oder noch besser wenn ich an gewissen Stellen schon Fische gefangen habe dann fische ich so das ich auf die Neugierde und den Reflex der Hechte anspiele. Ein Bekannter nannte das mal „Nerv-Taktik“, also einen Köder zu wählen der durch sein Aussehen oder durch die Art wie man ihn führt absolut nicht ins Beuteschema passt. In dem Fall führe ich z.B. einen sehr flach laufenden Wobbler so das er durch viele Pausen und einige Rucke mit der Rute so wild an der Wasseroberfläche spielt das der Hecht wahrscheinlich nicht aus Hunger zupackt, sondern eher um den nervenden Eindringling aus seinem Revier zu haben. Abends funktioniert diese Taktik zwar auch, allerdings sind dann auffällige Wobbler sehr erfolgreich. Hier denke ich dass die Bisse ebenfalls aus reiner Neugierde oder aber durch den Beißreflex kommen.

Die beste Angelzeit im Sommer ist natürlich der frühe Morgen wenn es noch nicht all zu heiß ist und die Sonne noch nicht so aufs Wasser knallt. Aber auch die letzte Stunde vorm Sonnenuntergang ist in vielen Gewässern ähnlich erfolgreich und entgegen der häufigen Meinung beißen Hechte auch nachts sehr gut. Für den Rest des Tages gilt dass es sehr stark auf das jeweilige Gewässer ankommt. Habe ich z.B. einen großen Baggersee kann man auch am Tage seine Fische fangen, nur sollte man dann eher im Freiwasser oder halt an kühleren Stellen fischen. In kleineren Gewässern erlebt man im Sommer fast immer das die Räuber ihre Beißzeiten ganz klar auf den frühen Morgen und vereinzelt auf den Abend verlegen und den Rest des Tages träge an ihren Stellen stehen und nur sehr schwer zu fangen sind.

Herbst

Im Herbst sollte unsere Aufmerksamkeit zwei Stellen gelten. Sehr gute Fänge lassen sich an ufernahen Unterständen machen, allerdings sollte das Wasser dort nicht zu flach sein. Die Zweite und weitaus besseren Stellen finden wir an den Scharkanten. Oft stehen die Hechte unterhalb der Kante und schießen auf Futterfische die über ihnen lang ziehen. Erst im Übergang zum Winter wird es manchmal schwer, da die Hechte nun „umziehen“. So kann man an einem Tag noch gut an den Kanten fangen und am nächsten Tag stehen die Hechte schon bedeutend tiefer.

Die Köderwahl richtet sich also nach den Stellen. Fischt man im Uferbereich sind mittelgroße Blinker, große Spinner, Gummifische oder flach laufende Wobbler erste Wahl. Wollen wir den Hecht allerdings an den Kanten suchen gibt es einen fast unschlagbaren Köder zu der Zeit: den Wobbler, am besten tief laufende Modelle oder den Husky Jerk von Rapala. Die Vorteile dürften klar sein, wir fischen im Blickfeld des Hechtes und können den Köder verführerisch über ihm lang laufen lassen. Eine sehr gute Methode ist zu dieser Jahreszeit mit Wathose bewaffnet ins Wasser zu gehen und parallel zum Ufer zu werfen und den Köder so immer wieder an der Kante lang zu ziehen. Abgesehen vom Wobbler können auch Spinner und Blinker recht gute Fänge bringen, während der Gummifisch meistens nicht so viele Fische bringt. Eine Erkenntnis die sich oftmals bestätigt hat ist das scheinbar im Oktober/November Barsche zur Hauptnahrung der Hechte gehören. Die besten Hechtfänge im Herbst hab ich auf Köder in Barschfarben oder allgemein in grünen Farbtönen gemacht.

Was die Angelzeit betrifft müsste man eigentlich sagen „immer!“…zu keiner anderen Jahreszeit kann man zu fast jeder Zeit mit gleichen Verhältnissen rechnen, aber auch im Herbst gibt es Phasen die am besten sind. Dazu gehört wieder mal der frühe Morgen so bis 9 Uhr ungefähr und oftmals die Nachmittagszeit so um 15-16 Uhr.

Winter

Ab Dezember wird’s dann sehr schwer die Hechte zu finden. Jetzt muss man die tieferen Regionen suchen um an Hechte zu kommen. Wer sein Gewässer kennt ist wieder mal klar im Vorteil, denn die besten Stellen sind markante Stellen am Grund, also versunkene Bäume o.ä., Löcher oder Rinnen oder falls vorhanden Erhebungen in Form von Barschbergen z.B.! Und genau dort muss unser Köder hin.

Aber was nehmen wir als Köder? Wenn man sich überlegt wo die Hechte stehen und das sie eher träge sind und vor allem sich nicht die Mühe machen werden für ein fingerlanges Rotauge oder einen flinken und total agilen Futterfisch extra die Jagd aufzunehmen, können wir uns die drei wichtigen Punkte denken. 1. Der Köder muss dort hin wo die Hechte stehen, also nah am Grund, 2. Der Köder darf nicht zu klein sein und 3. Er muss recht langsam geführt werden, wobei man natürlich beachten muss dass er trotzdem noch ein reizvolles Spiel ausführt. Spinner und Blinker fallen nach meinen Erfahrungen total aus, da sich beide nicht so präzise grundnah führen lassen ohne jede Menge Hänger zu haben und abgesehen davon bekommt man bei denen beiden eh nicht so einen sensationellen Lauf hin, daher eignen sich besonders Gummifische, die wir grundnah spielen lassen können und das vor allem sehr langsam. Ganz langsame Sprünge und ruhiges absinken mit einigen Pausen am Grund bringt dann oft den gewünschten Erfolg, zumal wir mit der Größe der Köder durchaus auch mal Chancen haben auf eine richtig kapitale Hechtdame. 16-18cm ist eine ideale Größe, aber auch vor 23cm sollte man keine Angst haben. Ein Hecht von 90-100cm macht mit einem 23cm Gummifisch kurzen Prozess. An Top Farben hat sich bei mir Chartreuse, orange-glitter, Rot-Gelb und Neongelb durchgesetzt. Eine weitere sehr gute Methode für die Wintermonate ist ein flach laufender Wobbler mit vorgeschalten Blei, allerdings in stark hängerreichen Gewässern nicht wirklich zu empfehlen.

Im Winter sollte man dann am Wasser sein wenn es am angenehmsten ist, sowohl für Mensch wie auch für Fisch, also zur Mittagszeit.

Wichtiges zu verschiedenen Bedingungen

In den vier Jahreszeiten hatten wir jetzt die Normalverhältnisse, aber was passiert wenn die Sonne im Sommer richtig aufs Wasser knallt oder das Gewässer durch typisches Oktoberwetter etwas trüber wird?
Bei knallender Sonne gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder suchen wir Esox an schattigen Plätzen oder gehen etwas weiter in tiefere Gewässerzonen oder aber wir machen uns Gedanken über unsere Köder. Mit einem silbernen Spinner wird man jetzt sicherlich nicht viel fangen, höchstens dafür sorgen dass die Raubfische durch das extreme Reflektieren das Weite suchen. Also rüsten wir halt auf einen dunkleren Spinner ab. Grün, braun oder schwarz sind optimal, sollte man keinen dunkleren Köder dabei haben kann man auch im Notfall Kunstköder mit Edding etwas abdunkeln. Neben abgedunkelten Spinnern laufen natürlich genauso dunklere Blinker, Gummifische oder Wobbler.
Die andere Seite wäre anstatt des super klaren Wassers das unser Gewässer durch Regenfälle eher getrübt ist. Zum Glück werden wir an stehenden Gewässern nie so eine Brühe erleben wie sie an Flüssen teilweise herrscht, aber trotzdem sollten wir uns jetzt mehr Gedanken über den Köder machen. Für den Zander gilt das Schockfarben dann sehr gut laufen. Beim Hecht allerdings hab ich oftmals bemerkt das zu grelle oder zu auffällige Köder eher abschrecken als fangen. Die Geheimwaffe für den Hecht ist bei trübem Wasser rot, also können wir so Sachen wie Wobbler im Firetiger Dekor oder Neongelbe Gummifische in unserer Köderbox lassen und lieber zu Wobblern greifen die den Hecht durch die richtigen Farben, sprich rot oder alternativ orange, eher anziehen. Dazu gehören z.B. Wobbler in gelb/rot oder der Hi-Lo Wobbler (rot-weiß), der durch die verstellbare Tauchschaufel auch noch den Vorteil hat unterschiedliche Wassertiefen systematisch abzusuchen. Des Weiteren gehen Blinker, Spinner oder Gummifische in den entsprechenden Farben.

Infos

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25.05.2012 15:31 Angler Online : 13
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